Die Welt des internationalen Hochseesegelns ist geprägt von ständiger Innovation, technologischem Wettrüsten und der unermüdlichen Suche nach dem perfekten Zusammenspiel von Wind, Wasser und Material. Inmitten dieser dynamischen Sphäre sorgt aktuell ein Name für enormes Aufsehen, der sowohl in der maritimen als auch in der unternehmerischen Welt bestens bekannt ist. Wer tiefgründige Analysen und umfassende Reportagen über die neuesten Entwicklungen im Spitzensport sucht, findet auf Derzeitkurier stets fundierte und exklusive Einblicke. Genau ein solcher Meilenstein wurde nun im toskanischen Punta Ala gesetzt, wo ein neues Kapitel der Segelgeschichte aufgeschlagen wird.
Wie Saily berichtet, hat der prominente italienische Unternehmer, Segler und Rennfahrer Roberto Lacorte sein neuestes Meisterwerk, die „RocketNikka“, offiziell zu Wasser gelassen. Es handelt sich hierbei nicht nur um eine weitere Renn-Yacht, sondern um eine klare Kampfansage im Bereich der Offshore- und Inshore-Regatten nach dem ORC-Vergütungssystem. Mit einem hochkarätigen Team und einem Boot der aufstrebenden Wallyrocket 51-Klasse zielt Lacorte im Jahr 2026 darauf ab, die prestigeträchtigsten Trophäen des Mittelmeers zu erobern.
Roberto Lacorte: Ein Profil zwischen Unternehmertum und Spitzensport
Um die Bedeutung dieses neuen Projekts vollständig zu erfassen, muss man die Persönlichkeit hinter dem Steuerrad betrachten. Roberto Lacorte ist eine Ausnahmeerscheinung im modernen Sport. Als Mitbegründer und CEO des erfolgreichen Pharma- und Nutraceutical-Unternehmens Pharmanutra S.p.A. hat er bewiesen, dass er komplexe Strukturen aufbauen und zum globalen Erfolg führen kann. Diese analytische und zielstrebige Herangehensweise überträgt er nahtlos auf seine sportlichen Leidenschaften.
Lacorte ist nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf der Rennstrecke zu Hause. Er nahm mehrfach am legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil und bringt das Verständnis für Aerodynamik, Teamkoordination unter extremem Stress und technologische Perfektion aus dem Motorsport direkt in den Segelsport ein. Seine bisherige Segelkarriere war stark von der „FlyingNikka“ geprägt – dem ersten fliegenden Mini-Maxi der Welt. Dieses voll auf Foiling-Technologie ausgelegte Boot war eine Pionierleistung, die Geschwindigkeiten erreichte, die in der Monohull-Welt zuvor als unmöglich galten. Doch während die FlyingNikka die Grenzen der Physik verschob, kehrt Lacorte mit der RocketNikka nun bewusst zu einer traditionelleren, aber taktisch nicht minder anspruchsvollen Form des Segelns zurück: der Verdrängungsyacht.
Die Philosophie hinter RocketNikka: Zurück in das Element Wasser
Der Wechsel oder vielmehr die Erweiterung des Portfolios von einem fliegenden Foiler zu einer Verdrängungsyacht mag auf den ersten Blick wie ein technologischer Rückschritt wirken, ist jedoch eine hochgradig strategische Entscheidung. Das Nikka Racing Team wird das Foiling-Programm mit der FlyingNikka parallel weiterführen, doch die RocketNikka dient einem völlig anderen Zweck: dem absoluten Triumph im „berechneten Zeitsystem“ (Corrected Time) der ORC (Offshore Racing Congress).
Beim Foiling geht es in erster Linie um die absolute Höchstgeschwindigkeit und das Durchbrechen von Rekorden. Bei klassischen ORC-Regatten hingegen segeln Yachten unterschiedlichster Größen und Designs gegeneinander. Jedes Boot hat einen spezifischen Messbrief, der ein Handicap festlegt. Gewinner ist nicht zwingend das Boot, das als Erstes die Ziellinie überquert (Line Honours), sondern das Boot, das gemessen an seinem theoretischen Geschwindigkeitspotenzial die beste Leistung erbracht hat. Diese Art des Segelns erfordert extrem präzise Taktik, perfekte Manöver, ständige Segelwechsel und eine fehlerfreie Navigation. Lacorte selbst formulierte das Ziel klar: Es geht darum, alles in der berechneten Zeit zu gewinnen. Die Leidenschaft für das direkte Kräftemessen Boot-gegen-Boot, das strategische Manövrieren an der Startlinie und die physische Härte traditioneller Langstreckenrennen haben ihn dazu bewogen, „mit dem Boot zurück ins Wasser“ zu gehen.
Technologische Exzellenz: Der Wallyrocket 51 im Detail
Das Werkzeug für diese ehrgeizige Mission ist ein Meisterwerk der maritimen Ingenieurskunst: der Wallyrocket 51. Die Marke Wally, die mittlerweile zur renommierten Ferretti Group gehört, ist weltweit bekannt für ihre Symbiose aus puristischem, avantgardistischem Design und brutaler Leistungsfähigkeit. Der Wallyrocket 51 ist als strikte One-Design-Klasse konzipiert, die jedoch gleichzeitig so optimiert ist, dass sie in Handicap-Flotten (wie der ORC) extrem wettbewerbsfähig bleibt.
Mit einer Rumpflänge von etwas mehr als 15 Metern (51 Fuß) ist das Boot leicht, agil und radikal auf Performance getrimmt. Der Rumpf und das Deck bestehen aus hochentwickelten Kohlefaser-Verbundwerkstoffen, die ein minimales Gewicht bei maximaler struktureller Steifigkeit garantieren. Dies ist entscheidend, um die enormen Kräfte aufzunehmen, die der gewaltige Segelplan auf den Mast und den Kiel überträgt. Ein besonderes Augenmerk wurde bei der Konstruktion auf den reduzierten hydrodynamischen Widerstand und ein innovatives Kielsystem gelegt. Die Gewichtsverteilung im Boot ist so berechnet, dass es schon bei leichtesten Brisen, wie sie im Mittelmeer häufig vorkommen, sofort anspringt und Fahrt aufnimmt.
Vittorio Blengini, Verkaufsdirektor für Custom Business bei der Ferretti Group, betonte kürzlich, dass das Jahr 2026 ein Jahr der Konsolidierung und des Wachstums für die Wallyrocket-Flotte darstellt. Mit der RocketNikka tritt nun ein weiteres, extrem professionell geführtes Schiff dieser Klasse auf den Plan, was die Konkurrenzfähigkeit und das Prestige dieses Bootstyps auf den internationalen Regattabahnen massiv steigern wird.
Das All-Star-Team: Eine Crew der Superlative an Bord
Selbst das technologisch fortschrittlichste Segelboot ist ohne eine herausragende Crew nur eine leere Hülle aus Carbon. Roberto Lacorte, der selbst als Steuermann fungiert, überlässt bei der Auswahl seiner Mitstreiter nichts dem Zufall. Er hat eine Mannschaft zusammengestellt, die sich wie das „Who is Who“ der internationalen Segelszene liest. Das Nikka Racing Team wird in seiner Gesamtheit als hochgradig synchronisierte Einheit operieren.
Als Team Manager agiert Alessio Razeto, der auf jahrzehntelange Erfahrung im Management von Profi-Segelkampagnen zurückblicken kann und sicherstellt, dass die logistischen und technischen Abläufe an Land ebenso reibungslos funktionieren wie auf dem Wasser. Die taktischen Entscheidungen, die bei ORC-Regatten oft über Sieg oder Niederlage entscheiden, liegen in den Händen von Koryphäen wie Lorenzo Bressani und Enrico Zennaro. Bressani, ein Veteran mit zahllosen Welt- und Europameistertiteln, ist bekannt für sein untrügliches Gespür für Winddrehungen und Startlinien-Strategien.
Zusätzlich ergänzen Schwergewichte wie Silvio Arrivabene (mit America’s Cup-Erfahrung), Diego Negri (Starboot-Weltmeister) sowie Lorenzo De Felice, Matteo Celon, Giulio Desiderato, Marco Carpinello und Filippo Vulcanile den Kader. Diese Dichte an Talenten aus den Bereichen Taktik, Navigation, Trimm und Vorschiff macht die RocketNikka vom ersten Tag an zu einem der absoluten Top-Favoriten in jeder Flotte, der sie beitritt.
Der internationale Regatta-Kalender 2026: Ein Pfad der extremen Herausforderungen
Der Terminplan, den das Team für das Jahr 2026 veröffentlicht hat, zeugt von enormem Selbstbewusstsein. Anstatt das neue Boot bei kleineren, lokalen Events behutsam einzugewöhnen, wirft Lacorte die RocketNikka direkt in die anspruchsvollsten Wettbewerbe, die der Mittelmeerraum zu bieten hat. Der Fokus liegt auf drei großen internationalen Meilensteinen.
Die ORC-Weltmeisterschaft in Sorrento (Mai 2026)
Der absolute Höhepunkt der frühen Saison wird die ORC-Weltmeisterschaft sein, die im Rahmen der Tre Golfi Sailing Week vom 5. bis 14. Mai 2026 vor der atemberaubenden Kulisse von Sorrento und dem Golf von Neapel stattfindet. Mit über 118 gemeldeten Booten aus rund zwanzig Nationen ist dieses Event die unumstrittene Weltspitze des Handicap-Segelns. Die RocketNikka wird hier in einer extrem kompetitiven Klasse antreten, in der Yachten ähnlicher Größe (Class 0 und Class A) um Zehntelsekunden in der berechneten Zeit kämpfen. Die anspruchsvollen thermischen Winde des Golfs von Neapel sowie die Strömungsverhältnisse rund um Capri und Ischia werden dem Boot und der Crew alles abverlangen. Ein Sieg hier würde die RocketNikka sofort in den Olymp des internationalen Segelns katapultieren.
Range Rover Sardinia Cup in Porto Cervo (Juni 2026)
Vom 1. bis 7. Juni verlagert sich das Geschehen an die Costa Smeralda auf Sardinien. Der Range Rover Sardinia Cup, organisiert vom elitären Yacht Club Costa Smeralda in Porto Cervo, ist eine der ikonischsten Regatten überhaupt. Das Besondere an diesem Event ist der Team-Modus. Die RocketNikka tritt hier nicht als Einzelkämpfer an, sondern bildet gemeinsam mit dem Fast 40 „Nola“ ein Team für den Yacht Club Repubblica Marinara di Pisa (dessen Präsident Roberto Lacorte ist). Dieses Format erfordert nicht nur eine makellose eigene Leistung, sondern auch strategisches Denken für das Partnerboot. Die smaragdgrünen Gewässer rund um das Maddalena-Archipel bieten spektakuläre, aber auch tückische Bedingungen, die von Felsen und plötzlich auftretenden Mistral-Winden geprägt sind.
Rolex Middle Sea Race auf Malta (Oktober 2026)
Den Abschluss der großen Triade bildet im Herbst das berüchtigte Rolex Middle Sea Race. Startschuss ist am 17. Oktober im Grand Harbour von Valletta (Malta). Diese 600-Seemeilen-Offshore-Regatta führt die Flotte gegen den Uhrzeigersinn um Sizilien herum, vorbei am aktiven Vulkan Stromboli, durch die Straße von Messina, um die Ägadischen Inseln und Pantelleria zurück nach Malta. Es ist ein Härtetest für Material und Psyche. Im Gegensatz zu den inshore-lastigen Regatten im Mai und Juni geht es hier um tagelange Ausdauer, das Überstehen brutaler Stürme und zermürbender Flautenlöcher. Dass ein reines Hochleistungs-Racer-Design wie der Wallyrocket 51 auf diese strapaziöse Langstrecke geschickt wird, beweist das immense Vertrauen der Crew in die strukturelle Integrität des Schiffes.
Starke Partnerschaften und globale Yachtclubs
Ein Projekt dieser Größenordnung ist ohne verlässliche Partner im Hintergrund nicht realisierbar. Die RocketNikka wird maßgeblich von Apportal, einer etablierten Marke des Pharmanutra-Konzerns, unterstützt. Diese Verbindung zwischen sportlicher Leistungsfähigkeit und ernährungswissenschaftlicher Expertise zieht sich wie ein roter Faden durch Lacortes Projekte. Auf technischer Seite hat man sich mit North Sails den Weltmarktführer für Segelherstellung ins Boot geholt. North Sails stellt nicht nur die Hightech-Garderobe des Bootes aus 3Di-Verbundmaterialien, sondern stattet auch die gesamte Crew mit hochentwickelter Funktionskleidung aus, die für die rauen Bedingungen auf See unerlässlich ist.
Ein weiteres Zeugnis für den internationalen und prestigeträchtigen Charakter der RocketNikka-Kampagne sind die Stander, unter denen das Boot segelt. Neben dem Heimatclub, dem Yacht Club Repubblica Marinara di Pisa, wird das Schiff die Farben dreier weiterer, weltberühmter Institutionen vertreten: des Yacht Club Punta Ala (wo das Boot varata, also vom Stapel gelassen wurde), des traditionsreichen Yacht Club Italiano in Genua und – als Ausdruck der transatlantischen Ambitionen – des legendären New York Yacht Club.
Die Saison 2026 wird für Roberto Lacorte und sein Nikka Racing Team ein Jahr der Bewährungsprobe. Mit der RocketNikka hat er ein Instrument geschaffen, das kompromisslose Ästhetik mit tödlicher Effizienz auf der Regattabahn verbindet. Ob im engen Startliniengetümmel vor Sorrento, in den rauen Strömungen Sardiniens oder in den schwarzen Nächten rund um den Stromboli – die Konkurrenz im Mittelmeer muss sich ab sofort auf einen neuen, hochgradig professionellen und hungrigen Gegner einstellen. Die Kombination aus einem radikalen Rumpfdesign, einer Mannschaft voller Segellegenden und der visionären Führungskraft eines Mannes, der es gewohnt ist, sowohl in der Wirtschaft als auch im Sport zu gewinnen, lässt nur eine Prognose zu: Die RocketNikka wird das Klassement der internationalen Offshore-Szene nachhaltig erschüttern.
