Das Ende einer Ära: ARD setzt Kult-Schlagersendung "Immer wieder sonntags" endgültig abDas Ende einer Ära: ARD setzt Kult-Schlagersendung "Immer wieder sonntags" endgültig ab

Die deutsche Fernsehlandschaft steht vor einem historischen Einschnitt im Bereich der sonntäglichen Familienunterhaltung. Nach rund drei Jahrzehnten ununterbrochener Präsenz auf den Bildschirmen zieht die ARD einen endgültigen Schlussstrich unter eines ihrer bekanntesten Formate. Die traditionsreiche Schlagersendung „Immer wieder sonntags“, die für ein Millionenpublikum zum festen Ritual am Wochenende gehörte, wird nach der kommenden Saison eingestellt. Für aufmerksame Beobachter der Medienbranche und die Leserschaft von derzeitkurier.de markiert diese Entscheidung einen deutlichen Wendepunkt in der Programmstrategie der öffentlich-rechtlichen Sender, die zunehmend unter finanziellem Druck stehen und sich einem radikalen Strukturwandel unterziehen müssen.

Wie Vodafone live berichtet, hat der zuständige Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden offiziell bestätigt, dass im laufenden Jahr 2026 die letzten 13 Live-Ausgaben der Show produziert werden. Damit endet nicht nur die Geschichte einer der beliebtesten Volksmusik-Shows in Deutschland, sondern auch eine prägende Epoche für den Traunsteiner Moderator und Schlagersänger Stefan Mross, der das Format seit dem Jahr 2005 unverwechselbar geprägt hat.

Harte Sparmaßnahmen und ein veränderter Fokus der ARD

Die Begründung für das abrupte Aus der Erfolgssendung fällt deutlich aus und spiegelt die aktuellen Debatten rund um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wider. Der Sender führt primär strikte Sparmaßnahmen als Ursache an. Der SWR und die ARD im Gesamten sehen sich gezwungen, den sprichwörtlichen Rotstift anzusetzen, um Budgets umzuverteilen. Die finanziellen Mittel, die bisher in die aufwendige wöchentliche Live-Produktion in der Freiluft-Arena im baden-württembergischen Rust flossen, sollen künftig anderweitig gebunden werden.

Dabei geht es den Verantwortlichen jedoch nicht ausschließlich um reine Kostenreduzierung. Vielmehr verbirgt sich hinter der Absetzung eine tiefgreifende strategische Neuausrichtung. Das eingesparte Budget soll explizit in die Entwicklung neuer, digitaler Unterhaltungsformate investiert werden. ARD und SWR verfolgen das erklärte Ziel, sich künftig verstärkt auf ein jüngeres und strukturell neueres Publikum zu fokussieren. Die klassische Volksmusik und der traditionelle Schlager, die bei „Immer wieder sonntags“ im Zentrum standen, scheinen in diesem zukunftsorientierten, digital geprägten Portfolio keinen dauerhaften Platz mehr zu finden.

Die letzte Saison 2026: Ein Abschied auf Raten ohne Nachfolger

Für die treuen Fans der Sendung bedeutet das Jahr 2026 einen Abschied auf Raten. Die Programmplanung sieht vor, dass die letzten 13 Ausgaben noch einmal in gewohnter Manier als rund zweistündige Live-Events zelebriert werden. Der Startschuss für diese finale Staffel fällt am 31. Mai, während die allerletzte Klappe am 6. September 2026 fallen wird.

Besonders bitter für die Anhänger der sonntäglichen Schlager-Unterhaltung im Ersten: Es wird dem Vernehmen nach kein Nachfolgeformat geben. Der Sendeplatz, der über Jahrzehnte hinweg eine sichere Bank für Volksmusikfans war, wird künftig nicht mehr mit einer vergleichbaren musikalischen Open-Air-Show besetzt. Damit hinterlässt die ARD bewusst eine Lücke in einem Genre, das zwar oft belächelt, aber von einem äußerst loyalen Kernpublikum getragen wurde.

Stefan Mross: Das Gesicht der Show und der unerbittliche Quoten-Kampf

Eng verbunden mit dem Erfolg der letzten zwei Jahrzehnte ist der Name Stefan Mross. Der heute 50-jährige Oberbayer übernahm die Moderation der Sendung im Jahr 2005 und formte sie nach seinen Vorstellungen. Er war dabei weitaus mehr als nur ein bloßer Ansager der musikalischen Gäste. Mross agierte als vollumfänglicher Gastgeber, der das Publikum nicht nur mit seiner eigenen Gesangsstimme unterhielt, sondern regelmäßig in humoristische Rollen schlüpfte. Ob als französischer Spitzenkoch „Maître Stephane“ oder als italienischer Magier „Stefano Mrossini“ – seine komödiantischen Einlagen trafen genau den Nerv des Publikums vor Ort im Europa-Park nahe Freiburg und vor den heimischen Fernsehgeräten.

Trotz der starken Bindung an das Publikum sah sich „Immer wieder sonntags“ stets einer mächtigen Konkurrenz gegenüber: dem „ZDF-Fernsehgarten“. Beide Formate teilen sich nicht nur den Sonntagvormittag während der warmen Jahreszeit, sondern auch das grundsätzliche Konzept einer Live-Show unter freiem Himmel mit einem starken Fokus auf Schlagermusik.

Die Quoten der vergangenen Jahre verdeutlichen diesen Wettbewerb. Im Jahr 2025 schalteten bei den zwölf Live-Ausgaben von „Immer wieder sonntags“ im Ersten durchschnittlich 1,26 Millionen Menschen ein. Dies entsprach einem mehr als soliden Marktanteil von rund 17 Prozent. Dennoch hatte das ZDF die Nase vorn: Die Sendung der Mainzer Kollegen, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert und für die 2026 insgesamt 20 Ausgaben geplant sind, erreichte mit Moderatorin Andrea Kiewel (60) im Schnitt 1,686 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil des ZDF-Formats lag bei rund 18 Prozent. Obwohl die ARD also sehr respektable Zahlen vorweisen konnte, reichte dies offenbar nicht aus, um das Format vor den umfassenden Umstrukturierungsplänen zu bewahren.

Turbulenzen, Skandale und Reibereien hinter den Kulissen

Die lange Ära von Stefan Mross bei „Immer wieder sonntags“ war jedoch nicht ausschließlich von musikalischen Höhenflügen und harmonischer Sonntagsstimmung geprägt. In den vergangenen Jahren knirschte es zwischen dem Moderator und dem SWR immer wieder vernehmlich. Die Zusammenarbeit war zeitweise von erheblichen Spannungen überschattet, die sogar das vorzeitige Ende von Mross‘ Karriere bei der ARD hätten bedeuten können.

Ein massiver Krisenmoment ereignete sich im Frühjahr 2023. Nach einer körperlichen Auseinandersetzung in einem Hotel, die bundesweit für negative Schlagzeilen sorgte, stand die Zukunft von Mross als Moderator ernsthaft auf der Kippe. Der SWR leitete eine interne Prüfung ein, ob der Oberbayer angesichts der Vorfälle noch tragbar sei oder ob man ihn ersetzen müsse. Erschwerend kam hinzu, dass das Amtsgericht Leipzig bereits im November 2022 einen Strafbefehl gegen ihn erlassen hatte. Trotz der massiven öffentlichen Kritik und des immensen Drucks entschied sich der Sender schlussendlich dazu, Mross weiter moderieren zu lassen – eine Entscheidung, die in der Medienbranche für kontroverse Diskussionen sorgte.

Auch in der Sendung selbst kam es zu Momenten, die den Sender in Erklärungsnot brachten. Im Jahr 2022 sorgte ein Interview von Mross mit einem kleinen Mädchen für Irritationen. Der Moderator stellte dem Kind die Zweideutigkeiten zulassende Frage: „Was ist das Besondere, auf einem (M)Ross zu reiten?“. Die Szene löste deutliche Kritik aus. Der SWR sah sich gezwungen, öffentlich Stellung zu beziehen und erklärte gegenüber RTL, man habe das Gespräch mit dem Moderator gesucht. Der Sender betonte damals, es habe sich um einen spontanen Wortwitz gehandelt, der ohne jede Absicht getätigt worden sei, den jungen Gast oder das Publikum zu verletzen. Der SWR entschuldigte sich für die entstandenen Irritationen, beließ die entsprechende Sendung jedoch in der Mediathek.

Zwischen Currywurst-Drama und familiären Tragödien

Neben den rechtlichen und verbalen Fehltritten bot die Sendung auch Raum für extrem emotionale und teils dramatische Momente, die tief im Gedächtnis der Zuschauer verankert bleiben. Die Zuschauer schätzten an Stefan Mross stets seine Bereitschaft, sich im Rahmen der Show neuen, unkonventionellen Herausforderungen zu stellen. Jahrelang gehörte auch das Kochen und Probieren von Speisen zum festen Repertoire der Sendung.

Diese Rubrik fand jedoch im Jahr 2014 ein jähes und dramatisches Ende. Während der Kategorie „Herausforderung für Stefan“ probierte Mross eine extrem scharfe Currywurst-Soße. Die körperliche Reaktion folgte unmittelbar: Der Moderator erlitt vor laufenden Kameras einen schweren Schwächeanfall und musste von Rettungskräften umgehend in eine Klinik eingeliefert werden. Dieser Vorfall zwang den SWR zum Handeln. Eine Sprecherin des Senders versicherte daraufhin öffentlich, dass man dem Moderator künftig keine Aufgaben mehr stellen werde, die die Verkostung von Speisen und Getränken beinhalten.

Doch es gab auch Momente tiefster emotionaler Verbundenheit. Als im vergangenen Jahr (2025) die Mutter von Stefan Mross verstarb, zeigte sich der starke Zusammenhalt innerhalb der Schlager-Familie. Seine erste Ehefrau, die Sängerin Stefanie Hertel (46), sprang kurzfristig für ihn ein, um die Moderation zu übernehmen. In der darauffolgenden Ausgabe kehrte Mross sichtlich ergriffen auf die Bühne zurück und widmete seiner verstorbenen Mutter einen berührenden Song. Es waren genau diese ungeschönten, menschlichen Augenblicke, die „Immer wieder sonntags“ für viele Menschen authentisch machten.

Der nun angekündigte Abschied von „Immer wieder sonntags“ ist weitaus mehr als nur die Streichung einer weiteren Fernsehsendung. Es ist das Ende eines medialen Kulturguts, das den Sonntagvormittag in Deutschland für eine ganze Generation definiert hat. Wenn am 6. September 2026 die Kameras in der Arena in Rust zum letzten Mal ausgeschaltet werden, verschwindet nicht nur ein Quotenbringer, sondern auch ein Stück bundesdeutscher TV-Tradition. Die ARD stellt mit diesem Schritt die Weichen unmissverständlich auf Zukunft und Digitalisierung. Ob es dem Senderverbund gelingen wird, das durch diese Absetzung freigewordene Kapital in neue Formate zu gießen, die eine ähnliche popkulturelle Relevanz bei jüngeren Zielgruppen erreichen, wird die entscheidende Frage der kommenden Medienjahre sein.